Südkorea – Zwischen Königreichen, Tempeln und Megacity


Rundreise vom 28. Juli bis 22. August 2025


Seoul – Ankommen zwischen Palästen, Märkten und Megacity

28.07.–01.08.2025

Der Beginn unserer Reise setzte schon beim Anflug auf Seoul einen besonderen Akzent. In den frühen Morgenstunden tauchte die aufgehende Sonne den Himmel in warme Farben, während sich unter uns langsam die gewaltige Metropole ausbreitete. Nach einer Einreise durch den zähen Verkehr erreichten wir unser Hotel im Stadtteil Myeongdong nach etwa 55 Minuten Taxifahrt. Beim Aussteigen fühlte man sich wie in einer Sauna, es war heiß und feucht.

Noch am Ankunftstag begaben wir uns zu Fuß auf erste Erkundungen. Vorbei am Seoul Plaza näherten wir uns dem Deoksugung-Palast, dessen geschlossene Tore an diesem Montag zwar keinen Einlass boten, aber bereits von außen eindrucksvoll zeigten, wie eng in Seoul Geschichte und Moderne miteinander verflochten sind. Gläserne Hochhäuser und jahrhundertealte Palastmauern stehen hier ohne Bruch nebeneinander.

Am späten Nachmittag fuhren wir mit der Seilbahn auf den Namsan. Der Spaziergang rund um den Namsan Seoul Tower wurde zu einem ersten Höhepunkt: Die Stadt lag unter uns wie ein endloses Geflecht aus Straßen und Lichtern. Zwar scheiterte der Versuch, auf die Aussichtsplattform zu gelangen, aufgrund nicht akzeptierter Kreditkarten, doch der Blick über Seoul entschädigte vollkommen.

Der Rückweg führte zu Fuß hinunter nach Myeongdong, mitten hinein in das pulsierende Straßenleben: Streetfood-Stände, Neonlichter, Musik, Menschenmengen. Teriyaki-Spieße, Corndogs und erfrischender Granatapfelsaft, bildeten unsere ersten kulinarischen Eindrücke, ergänzt durch einen pragmatischen Einkauf bei 7-Eleven. Aus Sorge wegen der Kreditkarten nutzten wir vorsorglich einen Geldwechselautomaten im Hotel.

Der folgende Tag begann schweißtreibend. Über 35 Grad und hohe Luftfeuchtigkeit machten jede Bewegung anstrengend. Am Daehanmun-Tor des Deoksugung-Palastes warteten wir vergeblich auf die Wachablösung – sie fiel der Sommerpause zum Opfer. Der Spaziergang durch den Palastgarten wurde untermalt vom lauten Zirpen der Zikaden.

Weiter ging es zum Sungnyemun-Tor und anschließend zum Namdaemun-Markt, der sich als roher, lokaler Gegenpol zu Myeongdong erwies: Hier gibt es fast alles, z. B. UV-abweisende Schirme. Ein geplanter Genshin Impact Cafébesuch scheiterte am Ruhetag, weshalb wir den Nachmittag bewusst ruhiger gestalteten, unter anderem im klimatisierten Lotte Department Store.

Kulinarisch zeigte sich Seoul an diesem Tag von seiner Vielfalt: Mittags Tteokbokki und Garnelen, abends Tischgrill mit sehr fettem Schweinebauch, Ribeye, Shiitake-Pilzen und ein paar kleinen Beilagen. Der Kellner wies beiläufig daraufhin, dass dies eigentlich japanische Küche sei. Später folgte ein weiterer Marktbesuch mit K-Pop-Shops, BTS-Merchandise und Oreo-Eis.

Am 30. Juli stand ein geschichtlicher Höhepunkt auf dem Programm: die DMZ-Tour. Früh morgens wurden wir direkt beim Hotel abgeholt. Die Führung war hervorragend organisiert. Besonders eindrücklich war die Begehung eines Infiltrationstunnels aus der Zeit des Koreakriegs. Der steile Abgang und vor allem der schweißtreibende Rückweg machten das Erlebnis körperlich fordernd – und emotional eindringlich. Die Realität der Teilung Koreas blieb hier greifbar.

Am Abend streiften wir erneut durch Myeongdong, ehe ein ruhiger Spaziergang entlang des Cheonggyecheon-Stroms den Tag ausklingen ließ – ein überraschend stiller Ort mitten in der Megacity.

Der letzte Tag des ersten Seoul-Aufenthalts war den Palästen gewidmet: Gyeongbokgung mit Wachwechsel, Natioanl Folk Museum neben dem Palast, Bukchon Hanok Village mit Teepause in einem traditionellen Haus (Teatherapie, sehr guter Maulbeertee, sehr netter Service) und Changdeokgung mit Führung durch den Secret Garden – ein landschaftlich besonders harmonischer Ort, in dem auch schon einige K-Dramas gedreht wurden. Zum Abschluss ging es zum Jongmyo-Schrein, dieser ist der Ahnenverehrung gewidmet, man soll dort seitlich des erhöhten Steinweges gehen den auf diesem wandeln die Geister. Am Abend wurde gepackt – am nächsten Tag ging es weiter Richtung Süden.


Andong – Konfuzianische Tradition und ländliches Korea

01.08.–03.08.2025

Mit der Fahrt von Seoul nach Andong veränderte sich die Stimmung der Reise grundlegend. Die Autobahnen wurden schmaler, die Landschaft weiter, das Tempo ruhiger. Nach einem hitzebedingt anstrengenden, aber lohnenden Zwischenstopp an der Hwaseong-Festung in Suwon setzten wir unsere Fahrt fort – hinein in das konfuzianisch geprägte Kernland Koreas.

Unsere gut versteckte Unterkunft, eine traditionelle Hanok-Anlage in ruhiger Lage mit Blick auf den Fluss und das Hahoe Folk Village, war eines der authentischsten Quartiere der gesamten Reise (sofern man das sagen kann mit Klimaanlage und 5G Internet mitten im Nirgendwo). Schon beim Ankommen spürten wir die besondere Atmosphäre dieses Ortes und die vielen Insekten beim Fluss. Der Gastgeber empfing uns außerordentlich herzlich, hatte im Vorfeld überlegt, wie wir am besten anreisen würden, und begrüßte uns mit einem persönlichen Gastgeschenk: Reiswein, hergestellt von seinem Vater.

Am Abend fuhren wir ins nahegelegene Dorfzentrum und probierten Andong Jjimdak, das berühmteste Gericht der Region. Das langsam geschmorte Huhn mit Glasnudeln, Sojasauce, Chili und Gemüse war herzhaft und gleichzeitig sehr süß. Ein anschließender Spaziergang entlang des Flusses, begleitet von Zikadengesang und warmer Abendluft, bildete einen ruhigen Abschluss.

Der nächste Morgen begann mit einem traditionell koreanischen Frühstück in unserer Unterkunft. Die Vielzahl an Banchan (Beilagen) war beeindruckend – für manche fast zu viel –, machte jedoch deutlich, wie sehr Essen in Korea Teil von Kultur und Gastfreundschaft ist.

Danach fuhren wir zum Bongjeongsa-Tempel, idyllisch gelegen inmitten von Hügeln, Reisfeldern und kleinen Bauernhöfen. Schon der Weg vom Parkplatz hinauf zur Tempelanlage wirkte entschleunigend. Zufällig erlebten wir gerade eine laufende Puja, deren Gesänge und Glocken eine besonders stimmige, fast meditative Atmosphäre schufen. Bongjeongsa wirkte weniger touristisch, sehr authentisch und tief verwurzelt in der spirituellen Tradition.

Am Nachmittag stand das Hahoe Folk Village auf dem Programm. Dieses weitläufige, teilweise noch bewohnte Freilichtdorf vermittelt eindrucksvoll das Leben des koreanischen Adels zur Zeit der Joseon-Dynastie. Besonders markant sind die geschwungenen Dächer der Hanok-Häuser und ihre harmonische Einbettung in die Landschaft. Diese verzaubert mit weitläufigen Reisfeldern, Lotusblüten und Pfirsichbäumen.

Ein kultureller Höhepunkt – wenn auch in ungewohnter Form – war die Maskentanzaufführung. Derb, laut, teils grotesk und bewusst provokant, spiegelte sie traditionelle soziale Kritik wider. Figuren wie der lüsterne Mönch oder der brutale Metzger sorgten für Irritation und Überraschung. Die extreme Hitze und die sehr direkte Inszenierung führten dazu, dass wir die Aufführung wie viele andere vorzeitig verließen – eigentlich war es auch nicht so schlimm vor allem im Vergleich zu den Inhalten aktueller digitaler Medien.

Insgesamt zeigte sich Andong als stiller, traditionsbewusster Ort, der weniger durch einzelne Sehenswürdigkeiten als durch Atmosphäre, Gastfreundschaft und kulturelle Tiefe überzeugt.


Templestay in Donghwasa – Einblick in das buddhistische Leben

03.08.–04.08.2025

Am 3. August setzten wir unsere Reise Richtung Daegu fort und erreichten den weitläufigen Donghwasa-Tempel, wo wir eine Nacht im Rahmen eines offiziellen Templestay-Programms verbrachten. Schon vor dem Einchecken bot ein erster Rundgang durch die große Tempelanlage einen Eindruck von ihrer Bedeutung und Größe.

Beim Empfang erhielten wir unsere Tempelkleidung – grüne Weste, violette Stoffhose – und eine Einführung in den Ablauf. Ein kurzer Film erläuterte den Sinn des Templestays: kein touristisches Event, sondern ein bewusstes Miterleben des klösterlichen Alltags. Beim anschließenden Teetrinken, inklusive Yakgwa (einem traditionellen Honigkeks) kamen wir mit dem für das Programm verantwortlichen Mönch ins Gespräch. Die Atmosphäre war offen, ruhig und überraschend ungezwungen.

Das Abendessen bestand aus veganer Tempelkost: einfach, saisonal, ohne Knoblauch oder Zwiebeln, klar im Geschmack, schlicht und dennoch nicht schlecht. Danach blieb Zeit zur freien Verfügung – für Spaziergänge, Nachdenken oder einfaches Sitzen.

Am Abend folgte ein eindrucksvoller Zeremonienablauf: Das traditionelle Glockenspiel mit Trommel, Fisch, Wolke und Glocke – jede mit symbolischer Bedeutung für unterschiedliche Wesen – hallte durch die Anlage. Wir verließen die Zeremonie frühzeitig um am Abendgebet im Haupttempel teilzunehmen. Die rhythmischen Gesänge, das gedämpfte Licht und der Weihrauch schufen eine intensive, beinahe zeitlose Stimmung. Um 21:00 Uhr hieß es schließlich: Licht aus.

Der nächste Morgen begann theoretisch sehr früh – um 4:30 Uhr –, praktisch verschliefen wir diese erste Übungseinheit (gemeinnützige Gruppenarbeit, z. B. Unkraut zupfen), denn diese fiel aufgrund von zu wenigen Teilnehmenden aus. Trotzdem nahmen wir am Frühstück um 6:00 Uhr teil, erneut schlicht und bewusst zubereitet. Danach folgte eine Ruhepause, bevor wir an den 108 Verbeugungen teilnahmen. Jede Verbeugung wurde symbolisch mit einer Holzkugel verbunden, die auf eine Schnur aufgefädelt wurde – eine körperliche, ruhige und konzentrierte Übung, die Geduld und Achtsamkeit erforderte.

Der Templestay war kein spektakuläres Erlebnis im klassischen Sinn, sondern ein stilles, nachwirkendes. Er bot einen seltenen Einblick in den buddhistischen Alltag und setzte einen bewussten Kontrapunkt zur Reisedynamik der übrigen Wochen.

Bei der Fahrt nach Gyeongju besuchten wir den Haeinsa Tempel. Dort lagert die Tripitaka Koreana (Druckplatten für die eine der umfangreichsten Sammlungen buddhistischer Schriften). Leider regnete es und deshalb durften wir nur von draußen hineinschauen.


Gyeongju – Das historische Herz Koreas

04.08.–08.08.2025

Mit der Ankunft in Gyeongju wechselte die Atmosphäre der Reise spürbar. Nach Großstadt, Tempelbergen und Autobahnen befanden wir uns nun im historischen Zentrum des alten Silla-Reiches, jener Dynastie, die Korea fast tausend Jahre lang prägte. Die Stadt ist geprägt von den Hügelgräbern, die sich sehr pittoresk vor allem im Stadtzentrum verteilen.

Unsere Unterkunft lag etwas unscheinbar in einer Seitengasse, erwies sich jedoch als idealer Ausgangspunkt. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten waren fußläufig erreichbar: die Königsgräber, das Nationalmuseum und das Hanok-Viertel mit seinen Cafés, Restaurants und netten kleinen Shops. Bereits am ersten Abend zeigte sich Gyeongju als angenehm entschleunigt, fast provinzielle Stadt – sehr wohltuend nach Seoul.

Der folgende Tag stand ganz im Zeichen der Silla-Gräberfelder. Die grasbewachsenen Tumuli liegen wie sanfte Hügel in einem weitläufigen Park. Besonders eindrucksvoll war die Informationshalle, die anschaulich (Animationen, Modelle) erklärte, wie diese Gräber konstruiert wurden: Stein- und Erdschichten, versiegelt gegen Grabräuber – ein technologisches Meisterwerk seiner Zeit.

Nur wenige Schritte entfernt erhebt sich das Cheomseongdae-Observatorium, das älteste bekannte astronomische Observatorium Ostasiens. Klein, unscheinbar, aber von enormer historischer Bedeutung. Bei großer Hitze setzten wir unseren Weg Richtung Gyeongju Nationalmuseum fort – ein absoluter Höhepunkt. Die Qualität der ausgestellten Kunstschätze, insbesondere Goldkronen, Schmuck und Bronzeobjekte, war beeindruckend und übertraf viele europäische Museen. Besonders originell sind die Keramiken in Entenform, Grabbeigaben die das Wegfliegen der Seele symbolisieren.

Ein weiterer Tag führte uns zum Bulguksa-Tempel und zur Seokguram-Grotte. Die Anlage des Tempels mit ihren steinernen Brücken und Terrassen wirkte harmonisch und ausgewogen, fast mathematisch präzise. Die Grotte selbst – mit der großen sitzenden Buddhafigur – strahlte eine stille Würde aus, auch wenn der Zugang streng reglementiert ist.

Ein Abstecher ans Meer brachte uns zum Unterwassergrab von König Munmu, der der Legende nach auch nach seinem Tod Korea als Drache beschützen wollte. Die Küstenlandschaft bot einen Kontrapunkt zur kulturellen Dichte der Stadt und viele tote in der Sonne getrocknete Fische. Den letzten Tag verbrachten wir ruhiger: zeitgenössische Kunst im Gyeongju Arts Center, das Expo-Gelände und schließlich etwas ganz Alltägliches – Wäschewaschen.


Busan – Zwischen Hafenstadt, Strand und Skyline

08.08.–13.08.2025

Die Fahrt nach Busan markierte erneut einen Wechsel der Szenerie. Schon der Zwischenstopp am Ulsan Bridge Observatory vermittelte eindrucksvoll, wie stark Südkorea industriell geprägt ist. Die riesigen Werften (die man nicht fotografieren darf), Containerhäfen und Anlagen wirkten fast futuristisch in ihrer Dimension.

Vor der endgültigen Ankunft in Busan legten wir noch spirituelle Stopps ein: zunächst beim ruhig gelegenen Beomeosa-Tempel in den Bergen, dann beim spektakulär am Meer erbauten Haedong Yonggungsa. Letzterer zählt sicher zu den fotogensten Tempeln Koreas – dramatisch gelegen zwischen Felsen und Wellen. Gleichzeitig drängen sich selbst in der Sommerhitze sehr viele Touristen über die schmalen Wege, sodass dieser Tempel sehr an Besinnlichkeit verliert.

Unsere Unterkunft in Haeundae öffnete ein weiteres Kapitel: Strandstadt, Hochhäuser, Freizeitkultur. Spaziergänge entlang des breiten Sandstrandes, das Rauschen des Meeres und der Blick auf moderne Hotels und 3D-Webung bestimmten die ersten Tage. Ein Badetag mit Besuch in einem Aquarium beim Strand sorgte für willkommene Entspannung, kulinarisch gekrönt von Königskrabben und sehr guten Banchans am Abend.

Busan zeigte sich insgesamt als Stadt der Gegensätze. Moderne Einkaufswelten wie das Shinsegae Centum City Department Store trafen auf traditionelle Märkte. Besonders eindrucksvoll war der Besuch des Jagalchi-Fischmarktes – lebendig, laut, äußerst „frisch“. Auch wenn wir dort nichts aßen, bleibt der Markt ein starkes Sinneserlebnis.

Ein Highlight war die Fahrt zur Songdo Marine Cable Car, die einen beeindruckenden Blick über Meer und Stadt bot. Ebenso lohnend waren die Museen: das minimalistische Lee Ufan Museum (ein Künstler der gerne Steine disloziert und ihnen spricht) und ein digitales Kunstmuseum mit immersiven LED-Räumen, das moderne Medienkunst zugänglich machte.

Am Regentag entschleunigten wir bewusst. Abends folgte ein spektakulärer Abschluss: der Besuch von „Busan X the Sky“, einem der höchsten Gebäude Koreas. Der Blick aus über 380 Metern Höhe auf die nächtlich erleuchtete Stadt wäre sicher – ein Panorama aus Licht, Meer und Urbanität, wenn das alles nicht gerade vom Nebel verhüllt wird, so blieb die Stadt eine geheimnisvolle Silhouette.


Jeju – Vulkaninsel, Wind und Weite

13.08.–18.08.2025

Schon nach der Landung war klar, dass hier ein ruhigerer, landschaftlich geprägter Teil der Reise begann. Der Mietwagen war zwar wenig glamourös, erfüllte aber seinen Zweck, denn Jeju erschließt sich am besten auf eigene Faust.

Ein erster Stopp führte uns zur Seogwang-Teeplantage und zum Osulloc-Teemuseum – sehr touristisch, aber dennoch atmosphärisch. Danach erreichten wir unsere Unterkunft an der Südküste: ein Apartment mit Meerblick, ideal zum Ankommen. Ein Abend mit selbstgekochter Pasta und Einkauf im koreanischen Supermarkt (riesige Karotten und schöne Drachenfrüchte) vermittelte sofort Inselalltag.

Jeju ist geprägt von Vulkanismus. Die Wanderung auf den Seongsan Ilchulbong war ein eindrucksvolles Naturerlebnis der Reise. Im ehemaligen Krater tummeln sich zahlreiche Pflanzen und hinter diesem grünen Meer liegt das blaue. Auch wenn die berühmten Haenyeo-Taucherinnen dort nicht zu sehen waren, begegneten wir ihnen später bei der Arbeit nahe unserer Unterkunft.

Der Jeju Stone Park beeindruckte mit riesigem Areal, vulkanischen Steinformationen, Mythen, Skulpturen (steinerne Großväter, Dol Hareubang), einem kleinen Dorf und Landschaft. Man erfährt viel über die spirituelle Welt der Insel. Ergänzt wurde dies durch den Besuch von Museen und ruhigen Küstenfahrten.

Ein weiterer Höhepunkt waren die Wasserfälle an der Südküste, insbesondere der Jeongbang-Wasserfall, der direkt ins Meer stürzt – ein seltener Anblick. Immer wieder fuhren wir an Mandarinenplantagen vorbei, Symbol für Jejus landwirtschaftliche Seite.

Die Tage auf Jeju waren bewusst entschleunigt: Grillabende (mit Ente), Küstenstraßen, kurze Spaziergänge, gutes Essen – darunter mehrfach ausgezeichnetes italienisches Restaurant. Auch den allgegenwärtigen Hallasan-Vulkan sahen wir zumindest aus der Ferne, majestätisch im Inselzentrum.

Jeju besitzt nicht so viele Sehenswürdigkeiten wie andere Orte, dafür umso mehr Atmosphäre. Wind, Weite, Teefelder, Lavagestein, steinerne Großväter, Meer, Mandarinen – ein würdiger ruhiger Gegenpol zur Dichte der Städte.


Seoul – Moderne Metropole, Gangnam Style und koreanischer Pioniergeist

18.08.–22.08.2025

Nach den landschaftlichen Weiten Jejus kehrten wir am 18. August nach Seoul zurück – diesmal in einen vollkommen anderen Stadtteil: Gangnam. Schon bei der Ankunft wurde klar, dass wir uns nun im hochmodernen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum der Stadt befanden. Breite Boulevards, Glasfassaden, Geschäftstürme und ein spürbar schnellerer Rhythmus prägten das Straßenbild.

Unsere Unterkunft lag ideal an einer der großen Verkehrsachsen. Am ersten Abend blieben wir bewusst im Hotelumfeld, ließen die Reise Revue passieren und genossen die klimatisierte Ruhe nach den heißen Tagen auf Jeju.

Kultur und Konsum – COEX, Bibliothek und Tempel (19.08.)

Der nächste Tag führte uns in die riesige COEX Mall, ein unterirdischer Kosmos aus Geschäften, Restaurants und Ausstellungsflächen. Herzstück war die berühmte Starfield Library – ein beeindruckender, lichtdurchfluteter Raum mit meterhohen Bücherregalen, der gleichermaßen Bibliothek, Fotomotiv und Treffpunkt ist.

Nur wenige Schritte entfernt lag der Bongeunsa-Tempel, ein faszinierender Kontrast zur umliegenden Moderne mit zahlreichen Lotuspflanzen. Zwischen Hochhäusern und Verkehr fanden wir eine ruhige Tempelanlage mit jahrhundertealter Geschichte. Der Wechsel von urbaner Geschäftigkeit zu spiritueller Gelassenheit innerhalb von Minuten ist typisch für Seoul – und besonders eindrucksvoll in Gangnam.

Am Nachmittag setzten wir unsere moderne Entdeckungsreise fort. Der Blick auf eine der berühmten „Gangnam Style“-Skulpturen, erinnerte an die popkulturelle Seite des Viertels, bevor es weiter Richtung Lotte World Tower ging. Mit seinen 123 Stockwerken und 555 Metern Höhe dominiert er die Skyline. Der angrenzende Vergnügungspark, die Shoppingwelten und Restaurants bilden einen eigenen Mikrokosmos – futuristisch, perfekt organisiert, fast überwältigend.

Design, Geschichte und Alltagsrealität (20.08.)

Am 20. August begann der Tag früh. Bereits gegen 09:00 Uhr besuchten wir zuerst die Morgenmesse in der Myeongdong-Kathedrale. In der klaren, ruhigen Atmosphäre der gotischen Kirche – die so voll war dass mache Leute stehen mussten – war dies ein unerwartet besinnlicher Moment. Der Kontrast zwischen der spirituellen Ruhe und der nahen geschäftigen Innenstadt machte diesen Besuch besonders eindrucksvoll.

Im Anschluss führte unser Weg zum Dongdaemun Design Plaza (DDP). Die futuristische Architektur von Zaha Hadid beeindruckt vor allem von außen durch ihre fließenden Formen und die schiere Größe des Bauwerks. Im Inneren hingegen boten sich für uns – abgesehen von der Architektur selbst – nur wenige inhaltlich spannende Ausstellungen, wie z. B. eine Schaukel, weshalb der Besuch eher kurz ausfiel.

Deutlich reizvoller war der folgende Spaziergang zu den Seolleung- und Jeongneung-Königsgräbern, die sich überraschend ruhig und grün mitten im modernen Gangnam befinden. Diese weitläufige Parkanlage mit ihren historischen Grabhügeln wirkte wie eine Oase der Stille zwischen Hochhäusern und Verkehrsschneisen.

Ein besonderes Erlebnis an diesem Tag war die landesweite Zivilschutzübung um 14:00 Uhr. Sirenen ertönten, der Verkehr kam für kurze Zeit zum Stillstand, und das öffentliche Leben pausierte geordnet. Für Besucher ist dies ein ungewöhnlicher, aber sehr interessanter Einblick in den koreanischen Alltag und das ausgeprägte Sicherheitsbewusstsein des Landes.

Am Abend besuchten wir ein Kosmetikfirma und schlossen Tag mit der individuellen Abmischung von sehr trendigen koreanischer Kosmetikprodukten ab.

Ein besonderer Höhepunkt: Besuch der koreanischen Whisky-Destillerie (21.08.)

Der vorletzte Tag der Reise wurde zu einem der überraschendsten und nachhaltigsten Erlebnisse der gesamten Rundreise. Nur etwa 40 Minuten nordöstlich von Seoul besuchten wir die Three Societies Distillery, die erste Single-Malt-Whisky-Destillerie Südkoreas, gegründet im Jahr 2018.

Die Führung begann mit einer Einführung in die ungewöhnliche Entstehungsgeschichte der Destillerie. Gegründet von Bryan Do, einem koreanischen Unternehmer mit internationalem Hintergrund, entstand sie mit fachlicher Unterstützung eines schottischen Master Distillers. Ziel war von Beginn an nicht, schottischen Whisky zu kopieren, sondern einen eigenständigen koreanischen Stil zu entwickeln.

Die Führung führte uns durch alle Produktionsschritte: vom Malz über Maischen und Gärung bis hin zur Destillation und Reifung. Besonders spannend war die Diskussion über das Klima Koreas und dessen Einfluss auf die Reifung – die stärkeren Temperaturschwankungen sorgen für eine deutlich schnellere Interaktion zwischen Holz und Destillat.

Ein Höhepunkt war das persönliche Gespräch mit dem Gründer und dem Master Distiller, inklusive gemeinsamer Fotos – herzlich, offen und mit spürbarer Leidenschaft für das Projekt. Anschließend folgte ein ausführliches Tasting:

  • Tiger (46 %) – gereift in Sherry- und Weinfässern, kräftig, würzig und überraschend komplex
  • Eagle (43 %) – aus Bourbon- und neuen amerikanischen Eichenfässern, rund und vanillig
  • Unicorn (46 %) – torfig, erdig, mit deutlicher Rauchigkeit
  • Batch 7 Cask Strength (56,9 %) – intensiv, voluminös, roh und faszinierend ehrlich

Diese Verkostung war nicht nur geschmacklich beeindruckend, sondern auch emotional: Es war spürbar, dass hier etwas Neues entsteht – koreanischer Whisky als ernstzunehmender Akteur auf der internationalen Bühne.

Parallel dazu gab es für Mitreisende auch ein sehr empfehlenswertes Alternativprogramm. Der erste Teil war der Botanische Garten in der Nähe des Flughafens. Dieser beeindruckt architektonisch und mit vielen verschiedenen Pflanzen. Nach einem Besuch im Schmetterlingsgarten ging es weiter zu einer Teeverkostung im Café Omot. Es wurden fünf verschiedene Tees serviert inklusive kleiner Snacks. Begleitet von Erklärungen auf koreanisch und englisch war von einer aufgegossenen Lotusblüte bis zu einem Matcha-Schwarzteemix alles dabei.

Abschied von Korea (22.08.)

Am 22. August machten wir uns schließlich auf den Weg zum Incheon International Airport. Beim Rückflug nach Wien blickten wir auf fast vier Wochen voller Kontraste zurück: alte Königsgräber und gläserne Megacities, buddhistische Tempel und Designikonen, stille Landschaften und pulsierende Märkte.

Südkorea hatte sich uns als vielschichtiges, faszinierendes Land gezeigt – modern und traditionsbewusst zugleich. Eine Reise, die nicht nur Eindrücke hinterlassen hat, sondern Neugier auf eine Rückkehr.

Eine Antwort auf „Südkorea – Zwischen Königreichen, Tempeln und Megacity“

  1. Lieber Ferdinand! Danke für diese wunderschöne und so detailreiche Beschreibung dieses faszinierenden, Tradition und Moderne verbindenden Landes.

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